Donnerstag, 13. April 2017

Der vergessene Sinn: Wie Sie mit Haptik Ihren Erfolg nachhaltig steigern


Marketing- und Verkaufsstrategen wissen: Die erfolgreiche Ansprache zielt auf alle Sinne der Kunden und Interessenten ab. Im Mittelpunkt einer multisensorischen Unternehmensstrategie sollte die Haptik stehen: Denn viele Kaufentscheidungen werden über den Tastsinn getroffen.

Bedeutung hat etwas mit Materialität zu tun. Was der Kunde anfassen, begreifen und bewegen kann, gewinnt für ihn an Gegenständlichkeit. Er kann sich hautnah damit beschäftigen und eine emotionale Beziehung aufbauen. Darum ist es wichtig, ihm Gelegenheit zu geben, im Zusammenhang mit einem Produkt oder einer Dienstleistung Berührungen und auditive und visuelle Erfahrungen erleben zu dürfen. Wenn auch noch Nase und Geschmackssinn angesprochen werden, umso besser.
Ziel der Strategie der 5 Sinne ist es, dem Kunden im Verlauf seines Kontakts mit dem Unternehmen wo immer möglich Berührungsfeuerwerke, Augenschmäuse, Hörgenüsse, Wohlgerüche und Geschmacksexplosionen zu bieten. Multisensorische Unternehmen verankern dieses Ziel in ihrer Unternehmensstrategie, berücksichtigen es bei ihrer Visionsgestaltung und bauen so Differenzierungsmerkmale zum Wettbewerb auf. Und dann richten sie Marketing und Werbung, den Point of Sale und ihren Service, kurz: alle Aktivitäten darauf aus, mit den Kunden auf allen Sinneskanälen zu kommunizieren.



Die Strategie der 5 Sinne


Haptik als Schlüssel zu den Emotionen des Kunden
Zielführend ist die Fokussierung auf den haptischen Sinn: auf den Tastsinn, aber auch Riech- und Geschmackssinn. Diese Sinne gehen ohne Wenn und Aber direkt in die tieferen Schichten des Gehirns und sind immer direkte Wahrheit. Wer nichts sehen will, schließt die Augen, wer nichts hören will, stopft sich etwas in die Ohren, auch Nase und Mund lassen sich zuhalten. Der Tastsinn jedoch lässt sich nicht an- und ausschalten.
Natürlich: Der erste Eindruck, den ein Kunde gewinnt, ist zwar meist visuell. Doch dann will er die durch das Gesehene ausgelösten Erwartungen durch aktives Fühlen bestätigen. Darum sollte bei der multisensorischen Ansprache der Tastsinn im Fokus stehen – die Haptik und die Wahrnehmung über die Haut sind die Schlüssel zu den Emotionen des Kunden. Und das auch, weil der visuelle und der auditive Sinneskanal hoffnungslos überfrachtet und verstopft sind. Die einseitige Konzentration auf Auge und Ohr haben zu einer Vernachlässigung der anderen Sinne geführt. Wir können aber nicht nur sehen und hören, sondern auch fühlen und tasten, schmecken und riechen.

Tastsinn ist Königssinn
Wer Kunden multisensorisch berühren will, kreiert und verkauft Produkte und Dienstleistungen so, dass sie ihm „unter die Haut gehen“. Diese haptische Herausforderung bewältigen immer mehr Unternehmen: Zum Beispiel die Plopp-Flasche von Flensburger, oder das Nutella-Glas von Ferrero, oder der Gripp von Faber-Castell. Nespresso hat mit den Kapseln Kaffee unverwechselbar und hochpreisig wie nie gemacht. In einer zunehmend digitalisierten Welt lechzen immer mehr Menschen nach analogen Erlebnissen, nach echten Begegnungen mit Menschen. Multisensorische Unternehmen versuchen daher, eine sinnlich-emotionale Gesamterfahrung zu kreieren. In der direkten Begegnung mit dem Kunden fokussiert sich die multisensorische Primärausrichtung zunächst auf das Produkt: Wie gelingt es, mit ihm möglichst viele Sinne anzusprechen? Die multisensorische Sekundärausrichtung nimmt zudem das „Umfeld“ in den Blick, etwa die Verpackung und das Design. Hinzu kommen bei der multisensorischen Tertiärausrichtung Berührungsgesten wie der Handschlag, mit dem zum Beispiel ein Berater einen Kunden begrüßt.

Im Kundengespräch menschliche Nähe aufbauen
Ein idealtypisches multisensorisches Kundengespräch schaut so aus: Der Kunde wird mit Handschlag begrüßt und am Ellbogen zum Besprechungstisch geleitet. Körperberührungen mit Respekt und Fingerspitzengefühl und menschliche Nähe bauen Vertrauen auf und bringen die Menschen einander näher. In dem farbenfroh eingerichteten Büro spielt im Hintergrund leise Musik, vielleicht konnte der Berater bei der Vorbereitung feststellen, welche Musikrichtung der Kunde gerne hört oder ob er eher die Stille bevorzugt.
Dann bietet er dem Kunden etwas zu trinken an, am besten ein warmes Getränk im Becher, so dass er das Getränk mit der Handinnenfläche erfühlen kann. Die Folge: Der Kunde bewertet ein Produkt jetzt wohlwollender und warmherziger. Kann das wirklich sein? In einem Experiment mit Personalchefs, die Bewerber zu beurteilen hatten, ließ sich belegen, dass bereits der kurzzeitige Kontakt mit warmen Getränken die emotionale Verfasstheit zum Positiven verändert. Der warme Reiz überschüttet uns mit positiven Emotionen, die uns andere Menschen und unser Umfeld warmherziger wahrnehmen und positiver beurteilen lassen.

Körperliche Erfahrungen ermöglichen
Zurück zum multisensorischen Kundengespräch: Der Berater überreicht dem Kunden ein haptisches Geschenk, etwa einen Schreibblock mit einem Kuli: „Das ist für Sie, so können Sie sich während des Gesprächs Notizen machen.“ Oder er stärkt das Vertrauensverhältnis mit einer haptischen Visitenkarte, die Duft ausströmt, aus besonderem Material besteht, sich auffalten lässt und einen interessanten Aufdruck trägt. Schließlich lässt er den Kunden mit den Produkten spielen, dieser fasst sie an, er schließt körperlich Bekanntschaft mit ihnen, er er- und begreift sie mit allen Sinnen: „Wie kann man einem Gedanken Richtigkeit verleihen, wenn man nicht über die körperliche Erfahrung verfügt?“, fragte der Körperphilosoph Moshe Feldenkrais.
Wenn der Kunde ist noch unschlüssig ist, lässt der Berater den Kunden mitmachen, zum Beispiel mit einem Tischrechner seine Investition selbst mithilfe einer körperlichen Erfahrung ausrechnen.

Haptische Verkaufshilfen einsetzen
Was jedoch geschieht bei Produkten und Dienstleistungen, bei denen dem Kunden haptische Wahrnehmungen nicht ermöglicht werden können? Dienstleistungen lassen sich nicht anfassen. Dann gelangen haptische Verkaufshilfen zum Einsatz. Dabei handelt es sich um symbolische Gegenstände, die der Kunde anfassen kann und mit denen sich Argumente und abstrakte Kundennutzen veranschaulichen lassen. Ein Beispiel sind die Preis-Nutzen-Karten.
http://www.haptische-verkaufshilfen.de/Haptische-Preis-Nutzen-Karten-107.html
Ein optischer Effekt hilft dem Berater zu verdeutlichen: Preis und Nutzen sollten in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen. Die zwei Karten repräsentieren den Preis und den Nutzen. Sie sehen zwar unterschiedlich groß aus, sind aber deckungsgleich. Die gleich großen Karten liegen vor dem Kunden, er kann sie anfassen und übereinanderlegen – und körperlich begreifen: Der Nutzen entspricht dem Preis – und der Preis entspricht dem Nutzen. Der Berater bietet mit seinem Produkt etwas an, das bei entsprechender Qualität einen entsprechenden Preis hat.
Die Karten lassen sich einsetzen, um den Kundeneinwand „zu teuer“ zu entkräften: Die optische Täuschung bewirkt, dass dem Kunden entweder die Nutzen-Karte größer erscheint – oder die Preis-Karte. Der Berater argumentiert: „Wenn Sie den Preis zu sehr in den Vordergrund stellen, besteht die Gefahr, dass Sie auch weniger Nutzen erhalten. Preis und Nutzen sollten deckungsgleich sind. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, riskieren Sie es, aufgrund der minderen Qualität einen Zusatzkauf tätigen zu müssen.“





Multisensorik und Mit-Mach-Marketing
Multisensorische Unternehmen bleiben nicht dabei stehen, den direkten Kundenkontakt mit der 5-Sinne-Strategie zu „haptisieren“. Die Sennheiser electronic GmbH & Co KG. bei Hannover vertreibt Kopfhörer und Headsets und gibt Geschäftsberichte heraus, die mit Titeln wie „Klang riechen & schmecken“ überschrieben sind: Multisensorik statt staubtrockener Zahlenkolonnen. Autofirmen lassen ihre Ingenieure im Tonstudio nach dem perfekten markentypischen Klangbild suchen, das beim Zuklacken der Türen entsteht. Dort gibt es „Nasenteams“, die auf möglichst neutrale Gerüche achten. „Knister-Knaster“ Teams führen Akustik-Haptik-Tests durch, damit Tastsinn und Hörsinn des Autofahrers beim Bedienen der diversen Knöpfe keine Enttäuschungen erleben. Und in Staubsaugerfirmen arbeiten Akustiker an den Schallübertragungswegen, die dazu beitragen, die emotionalen Erwartungen der Kunden zu erfüllen.
Das Marketing solcher Firmen steht oft unter dem Motto „Mit-Mach-Marketing“: Slogans wie „Mach dein Ding“ verweisen auf das Ziel, den Kunden zum Mitmachen und zur aktiven Beschäftigung zu bewegen. Ein haptisches Paradebeispiel dafür bot seinerzeit die Werbung für den Film „Zweiohrküken“. Mithilfe einer Smartphone-App konnte man das Zweiohrküken kitzeln, mit den Fingern bewegen, vergrößern und verkleinern, schütteln, auf den Kopf stellen und durch Pusten auf den Touchscreen zum Fliegen bringen: Das ist großes Kino – das ist Haptik pur.

Fazit
Die Beispiele zeigen, welche Wege Unternehmen beschreiten, die in den Kategorien der 5-Sinne-Strategie denken. Geräusch, Geschmack, Geruch und Gefühl – nichts bleibt dem Zufall überlassen. Jeder visuelle Eindruck wird in seiner Wirkung auf den Kunden untersucht, jede Berührung in ihren Konsequenzen für die Kaufentscheidung berücksichtigt.

Offene Trainings in verschiedenen Städten: 10.05.2017 Köln

Porträt
Karl Werner Schmitz
Erfinder, Berater, Trainer, Autor, Coach





































Karl Werner Schmitz ist Unternehmensberater, Trainer, Buchautor und Vortragsredner. Sein Buch „Die Strategie der fünf Sinne“ ist im Wiley-Verlag erschienen. Er ist Inhaber der KWS Haptische Verkaufshilfen e. K. in Much bei Köln.
Kontakt
+49 (0) 2245 / 60 00 780

Mittwoch, 22. März 2017

DIE VIERTE KOMPETENZ DER GESCHWINDIGKEIT: SCHNELLER WERDEN DURCH ENTSCHLEUNIGUNG


Hans Peter Wimmer 




Ein Paradoxon?

Schneller durch Entschleunigung? Auf den ersten Blick vielleicht. Auf den zweiten Blick vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn es um komplexe Entscheidungen geht, die mit unseren bisherigen Erfahrungen und unseren aktuellen Kompetenzen nicht spontan erfolgen können.

Dann hilft ein „Schritt zurück“

Psychologisch: Wir tun gut daran, zu dissoziieren, uns auf die Meta-Ebene zu begeben, loszulassen. Dann können wir unser kreatives Potenzial aktivieren beziehungsweise „es“ geschieht dann ganz unwillkürlich. Der Wille, der uns antreibt, nun endlich „zu Potte zukommen“, ist zur „schnellen“ Entscheidungsfindung, die auch eine hohe Qualität beansprucht, kontraproduktiv. Also: Entschleunigung – Loslassen, das Thema beobachten und warten…warten auf die innewohnende Intuition und Weisheit.

Entschleunigung – ganz schön anspruchsvoll für Manager-Innen, Führungskräfte und Unternehmer-Innen

deren Tagesablauf fast schon minutiös durchgetaktet ist, die gewohnt sind, schnell zu entscheiden, die ihre Umwelt entsprechend „auf Trapp halten“ und „antreiben“, die oft gar nicht mehr wissen, wie es sich anfühlt, entspannt zu sein oder die sich für „Entschleunigung“ eine Auszeit nehmen, sei es in der Stille eines Klosters oder Retreats. Um dann wieder zurückgekehrt in den Manager-Alltag loszulegen, manchmal schneller als vorher, ist man doch wieder „aufgetankt“. Dies jedoch ist -im Sinne Paul Watzlawicks- eine Lösung 1. Ordnung. Der Rahmen bleibt wie er ist und hier ist Schnelligkeit um der Schnelligkeit oder wegen vermeintlicher Sachzwänge eine Problemverschlimmerung bzw. wird die Umsetzung von Entscheidungen insgesamt langsamer, da vieles nicht wirklich bedacht, vieles nicht zu Ende gedacht und die relevanten Businesspartner nicht gehört wurden.

Eine schnellere Umsetzungsgeschwindigkeit,

die auch noch höchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird, wird nur dann gewährleistet, wenn der Rahmen verändert wird (Lösung 2. Ordnung). Also im Rahmen der Entscheidungsfindung Zeit nehmen für Reflexionen und „Ausflüge“ nach innen, kontemplativ das innere Wissen und die innewohnende Kreativität „anzapfen“. Zeit nehmen für sich Gewissheit verschaffen, dass die an der Umsetzung der Entscheidung beteiligten Partner das Thema nicht nur verstanden haben, sondern es mit Leidenschaft treiben werden. Zeit nehmen für Strategien für den „Worst-Case“, um im Falle des Falles wenigstens mental vorbereitet zu sein. In diesem Sinne: viel Freude und Erfolg beim „Entschleunigen“.

Ihr Hans Peter Wimmer & Thomas Schulte



Siehe dazu auch:

Boxenstopp für Führungskräfte, Managerinnen und Manager



Samstag, 30. April 2011

Die zehn Grundsätze


Photo: Saskia-Marjanna Schulz


Stell dich dem Kampf!
Führe andere in den Kampf!
Handle umsichtig!
Halte dich an die Tatsachen!
Sei auf das Schlimmste vorbereitet!
Handle rasch und unkompliziert!
Brich die Brücken hinter dir ab!
Sei innovativ!
Sei kooperativ!
Laß dir nicht in die Karten sehen!

Sunzi, (um 500 v. Chr.) chinesischer General und Militärstratege, »Die Kunst des Krieges«

… und welcher Grundsatz ist heute noch angemessen?

Mittwoch, 12. Januar 2011

Epiktet: Wie man Weisheit erlernt


Photo: Saskia-Marjanna Schulz

Wenn du die Weisheit lernen willst, so mußt du auch darauf gefaßt sein, daß man dich auslachen wird und daß viele spottend zu dir sagen werden: Der kommt da plötzlich als ein Philosoph daher, warum für uns – die wir ihn doch von Jugend an kennen – die hohen Augenbrauen? Darum laß jeden Stolz beiseite, halte aber an dem, was du als das Beste erkannt hast, so fest, als ob du von Gott auf diesen Posten kommandiert seiest, und glaube, daß, wenn du fest auf demselben beharrst, die, welche dich früher verlachten, später bewundern werden. Gibst du ihnen aber nach, so werden sie dich doppelt verlachen.

Epiktet, (um 50 n. Chr. - 138), griechisch: Epiktetos, griechischer Stoiker




Dienstag, 20. Juli 2010

Nummer eins werden



Liebe Besucherinnen, liebe Besucher!

Wie kann ein Ziel erreicht werden? Darüber haben wir bereits am 03. Juli gesprochen. Sie erinnern sich: Ein Ziel aufschreiben – und dann immer wieder einmal daran denken. Für mich war es damals eine Mischung aus Naivität, ersten Methodenkenntnissen und der „Beseeltheit“, dieses Ziel zu realisieren. Gewiss: Ich habe auch Pläne gemacht – aber dazu später.

Mein Ziel war die Gründung und Führung eines Markt- und Kommunikationsforschungsinstitut. Schon als Kind war mir aufgefallen, dass Menschen zu viel von dem hatten, was sie nicht wollten. Und zu wenig von dem, was sie gerne sein und haben wollten. Markt- und Sozialforscher/innen konnten, so meine Überlegungen, zwischen beiden Seiten eine Kommunikationsbrücke schlagen. Das war meine Motivation.

Von Fabrikanten wusste ich, dass sie gerne genau das Produkt herstellen würden, welches die Verbraucher/innen haben wollen. Wenn sie nur genau wüssten, wie es beschaffen sein soll. Um ein Beispiel zu nennen, dass jede/r kennt: Kaffeesahne. Wie soll Kaffeesahne sein? Wie soll die Farbe sein? Wie der Geruch? Die Konsistenz? Die Sämigkeit? Die Struktur? Der Geschmack? Und: Wie sollte sie verpackt sein? In welcher Grösse? Form? Farbe? Stabilität? Aus welchem Material? Wie und wo sollte die Öffnung sein?

Oder - anderes Thema: Politik. Wie sollte die Ansprache der Bundesregierung an die Bürgerinnen und Bürger sein? In welcher Form? In welcher Sprache? In welchen Sprachen? Was soll kommuniziert werden – auf welche Art? Was heisst verständlich? Was heisst Beispiele aufführen? Wo sind Möglichkeiten? Wo die Grenzen? Was geht? Was nicht?

In dieser Fragenwelt fühlte ich mich zu Hause – und ich konnte mir sehr lebhaft vorstellen, mit Hilfe von Forschung eine Dolmetscherin für die einzelnen Seiten zu sein. Diese Vorstellung kam immer wieder zu mir. Und ich liess sie zu: In der Bahn, in Wartezimmern, vor dem Einschlafen, in den Pausen, wenn meine aktuelle Arbeit gerade nicht so spannend war – und immer wenn ich Lust und Laune hatte.

Ich fand es wichtig, nicht darüber zu reden. Für die anderen war ich vielleicht eine Träumerin – oder etwas verrückt – oder nicht normal. Einen Posten bei der Post. Das wäre es für die meisten Menschen gewesen. Hier und heute sicher ganz prickelnd. In den 80er Jahren konnte mich dieser Gedanken nicht mit Begeisterung erfüllen.

Dass ich eines Tages – 1985 – fast über Nacht Leiterin eines Forschungsinstituts geworden bin, kann ich manchmal heute noch nicht glauben. Aber erklären kann ich es.

Zum Beispiel mit der Methode der ‚Visualisierung’. Um es einmal bildlich zu sagen: Viele Wege führen zu einem Ziel. Man/frau kann zu Fuss gehen. Mit dem Fahrrad fahren. Mit Inlineskates und mit Rollschuhen – mit dem Motorrad, Auto, dem Bus, der Bahn, dem Jet. Je nach Vorliebe, Gewohnheit und Entfernung. Ähnlich ist es auch mit der Zielerreichung. Man kann unterschiedliche Technikern wählen. Eine Methode von vielen ist die ‚Visualisierung’.

Vielleicht können Sie sich nicht vorstellen, was damit gemeint ist. Ich erkläre es einmal an einem Beispiel: Stellen Sie sich eine junge Sportlerin vor, die sich auf ihren Wettkampf vorbereitet. Dann – aus heiterem Himmel – erlebt sie einen Unfall. Der Arzt verordnete vor allem eins: Bettruhe. Das war rund zwei Wochen vor Spielbeginn. Aber die Eiskunstläuferin denkt nicht daran aufzugeben. Sie will siegen. Dafür will sie trainieren. Aber wie, wenn sie sich nicht bewegen darf?

Es war bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo/Italien: Die Eiskunstkunstläuferin Tenley Albright stürzte beim Training und zog sich schwere Verletzungen zu. Der Arzt verordnete ihr Bettruhe. An weiteres Training war nicht einmal zu denken.

Was hätte Tenley tun können? Schmollen? Über ihr Schicksal weinen und wehklagen? Nach Hause fahren? Die junge Sportlerin nahm’s sportlich. Sie überlegte sich, was sie noch tun konnte – und dachte nicht daran, was für sie nicht mehr möglich war.

Ihr Kopf war in Ordnung. Ihr Geist wach. Und ihre Begeisterung auf dem Höhepunkt. Sie erinnerte sich daran, was ihr die Coaches beigebracht hatten: wie sie die Kraft ihrer Gedanken nutzen konnte, um die beste Leistung zu erbringen. Auch, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.

Und so liess sie den Ablauf der Kür immer wieder vor ihrem inneren Auge Revue passieren. Und prägte sich dabei jede Bewegungseinzelheit genau ein.

Später sagt sie: "Obwohl ich mit dem verletzten Knöchel noch wenige Tage vor Beginn der Spiele nicht einmal richtig auftreten konnte, hatte ich irgendwie das Gefühl, gut in Form zu sein. Inzwischen weiss ich, dass es an den Visualisierungsübungen lag, die ja inzwischen zum Trainingsprogramm der Eisläuferinnen gehören. Damals waren wir hinsichtlich der mentalen Vorbereitung auf reines Erfahrungslernen angewiesen, mussten also durch Versuch und Irrtum den richtigen Weg für uns selbst finden."

Das war die richtige Entscheidung. Und sie wurde belohnt: Tenley Albrightgewann mit dem verletztem Fuss die Goldmedaille im Eiskunstlauf der Damen bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina D'Ampezzo. In den 80er Jahren wurden die Ursachen des Erfolgs bei Spitzensportler/innen wissenschaftlich besonders gründlich erforscht.

Der leitende Sport-Psychologe des United States Olympic Committee, Shane Murphy, erinnert sich: "1987 brachte ich im Olympischen Trainingszentrum in Colorado Springs ein gross angelegtes Forschungsprojekt auf den Weg, um die mentalen und physischen Voraussetzungen für den Erfolg zu ermitteln... im Laufe der Jahre haben meine Kollegen und ich mehr als 4.000 Spitzensportler interviewt ... Die Untersuchungen haben den eindeutigen Beweis erbracht, dass Spitzensportler einige oder alle acht Techniken nutzen, um sich auf Erfolgskurs zu bringen ...:

1. Aktionsorientierung
2. Kreatives Denken
3. Produktivitätsanalyse
4. Ruhe bewahren
5. Konzentration
6. Emotionale Stärke
7. Mobilisierung von Energiereserven
8. Festhalten am Erfolgskonzept."

Bei meiner Institutsgründung hatte ich intuitiv das Richtige getan: Visualisieren – und dabei Freude & Begeisterung empfinden. Und sicher sein, dass ich es schaffe. Obschon ich insgeheim nicht immer daran glauben konnte.
Inzwischen sind Ergänzungen, Erleichterungen und neue Methoden hinzugekommen. Davon später.

Herzlichst
Ihre
Lilli Cremer-Altgeld

PS Den Hinweis auf das Buch von Shane Murphy "Die Kunst, erfolgreich zu sein" finden Sie auf dieser Seite.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Es gibt Einwände


Photo: Saskia-Marjanna Schulz



Liebe Besucherinnen, liebe Besucher

Stellen wir uns einmal vor, Sie haben Ihre Talente wieder gefunden oder neu entdeckt. Stellen wir uns weiter vor, dass Ihr Selbstbewusstsein und Ihr Vertrauen in sich selbst auch durch die erkannten und anerkannten Begabungen erfrischt wurde wie ein Sprung ins kühle Nass bei tropischen Temperaturen. Und stellen wir uns schliesslich vor, dass Sie bei der Übung „Aus der Zukunft in die Vergangenheit“ (Wohin?) erkannt haben, welches Ihre Hauptziele sind.

So gestärkt wird es jetzt leicht für Sie sein, Ihre Ziele zu erreichen.

Gewiss, es gibt Einwände.

Ich kenne vielleicht nicht Ihre Einwände – aber glauben Sie mir, ich habe im Laufe meines Lebens fast alle Einwände gehört – und ich habe erlebt, dass Unglaubliches geschehen kann, wenn man/frau sich ernsthaft bemüht. Nicht immer – aber immer wieder.

Vielleicht werden Sie sagen: Ja, aber bei mir ist das ganz anders. Gewiss. Bei jedem Menschen ist das anders. Als ich 1991 von der Stationsärztin hörte, dass mein Vater – er lag in einem Krankenhaus im Rheinland – „jeden Moment“ sterben könnte – wollte ich das nicht glauben. Er hatte zwar drei Herzinfarkte hinter sich – und da ich auch Medizin-Soziologie studiert und in Krankenhäusern gearbeitet hatte, wusste ich, von was die Rede war – gleichwohl: Ich wollte und konnte es nicht glauben.

Ich habe mich ausführlich informiert – und gesagt: Es kann sein, dass mein Vater jetzt sterben muss. Aber mein Gefühl sagte mir: Ihm kann noch einmal geholfen werden. Dafür habe ich dann auch augenblicklich alles in meiner Macht stehende getan. Bereits am nächsten Tag kam er mir Eis essender Weise auf der Strasse entgegen. Gewiss, er musste noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben – aber er lebte. Noch sieben Jahre!

Auch die Lebensgeschichte einer früheren Freundin war alles andere als zufriedenstellend. Zwar war nicht mit ihrem direkten Ableben zu rechnen – obschon mir ein Arzt zwischenzeitlich gesagt hatte: ich weiss nicht, ob sie die Nacht überleben wird. Sie überlebte die Nacht – das war 1989 – und bis heute weiss ich nichts von einem Ableben. Auch ihr „besonderes Problem“ hat sich inzwischen gelöst: Marianne (ich habe ihren Namen aus Datenschutzgründen geändert) sass im Rollstuhl. Die Ursache für ihre Krankheit war nicht klar definiert. Klar war aber: Sie konnte nicht mehr auf eigenen Füssen gehen.

Ich erlebte innerhalb weniger Monate, dass sie zuerst mit zwei Stöcken, dann mit einem Stock – und schliesslich wieder ohne Stöcke gehen konnte. Um es ausdrücklich zu sagen: Ich glaube nicht, dass jeder Mensch, der im Rollstuhl sitzt, eines Tages wieder gehen kann. Aber ich habe selbst mit eigenen Augen gesehen, dass es in einem Fall möglich war.

Ich begleitete im weiteren ein junges Mädchen – nennen wir sie einmal Brigitte - aus einem Waisenhaus. Sie war gross geworden mit Kriminalität, Rauschgift und Prostitution. Von der Perspektivlosigkeit ihres Lebens erdrückt, beginn sie eines Tages Selbstmord. Während sie dabei war, wieder ins Leben zu kommen, klingelte meine Nachbarin an der Tür und erzählte mir Brigittes Geschichte. Als Mitarbeiterin in einem Krankenhaus hatte sie Brigitte kennen gelernt und war nun entschlossen, ihr zu helfen. Nur wie – das war ihr nicht klar.

Mir auch nicht. Denn zu dieser Zeit war ich Studentin – und hatte keine Ahnung wie ich ihr helfen konnte. Aber schliesslich machten wir einen Plan – und Brigitte zog in ein kleines Apartment in unserem Haus. Soweit – so gut. Allerdings war es damit nicht getan. Brigitte hatte sich entschlossen, Ärztin zu werden – und sie wollte, dass ich ihr dabei helfe. Dazu muss ich erzählen, dass Brigitte einen Hauptschulabschluss auf einem mittleren Niveau hatte: also weit davon entfernt war, Medizin studieren zu können.

Dafür brauchte sie ein exzellentes Abitur – wie sollte sie das schaffen?

Trotz Warnungen meines Psychologieprofessors wagte ich das „Abenteuer“ – wissend, dass sie ohne meine Hilfe noch schlechter dastehen würde.

Ich will jetzt auch nicht besonders betonen, dass die Allgemeinbildung von Brigitte ungefähr auf der Ebene von Kaspar Hauser lag – vielmehr möchte ich erwähnen, dass Brigitte sehr fleissig, diszipliniert und höchst motiviert war. Und um es kurz zu machen. Wir haben sie aufs Abi vorbereitet. Sie hat bestanden und studiert. Nicht Medizin, sondern Sozialpädagogik. Später hat sie sich in BWL ausbilden lassen.

Diese Erlebnisse mit Menschen aus meinem nächsten Umfeld sind nicht einmal die Spitze eines Eisbergs. Immer wieder habe ich Menschen erlebt, die aus einer bedrohlichen – um nicht zu sagen: katastrophalen – Situation in bessere Gewässer wechseln konnten. Mit einem klaren Ziel vor Augen. Mit Fleiss, Disziplin und Durchhaltekraft. Ich weiss, dass es nicht immer eine Chance gibt, seine Ziele zu erreichen. Ich weiss aber auch, dass dies viel öfter der Fall ist als Menschen es bisher denken.

Und ich glaube, dass jeder Mensch selbst eine innere Wahrheit in sich trägt, die ihm sagt, was möglich sein könnte. Jeder Mensch hat mehr Möglichkeiten als er normalerweise denkt. Dafür müssen wir nicht einmal Albert Einstein bemühen – das sagt uns unsere Lebenserfahrung. Was wir brauchen, sind manchmal einfach Menschen, die an uns glauben, wenn wir es selbst noch nicht können. Und wir brauchen Tipps und Adressen, wie die eigenen Ideen realisiert werden können.

Ich glaube, dass Menschen unendlich viel mehr erreichen können als sie es bisher getan haben. Ich glaube an Menschen – und ihre Talente. Tipps und Adressen gibt es auf dieser und den weiterführenden Seiten.

Auch Sie haben ungeahnte Chancen. Nutzen Sie sie!

Sie wissen doch: Wenn das Leben Ihnen Zitronen reicht - machen Sie erfrischende Zitronenlimonade daraus.

Bis bald,

herzlichst
Ihre
Lilli Cremer-Altgeld

Mittwoch, 14. Juli 2010

Wohin?


Photo: Saskia-Marjanna Schulz


Liebe Besucherinnen, liebe Besucher!

Können wir davon ausgehen, dass Sie Ihre Talente und Begabungen erkannt und Ihre Ziele definiert haben?

Fein.

Dann kann es ja losgehen.

Die Zielerreichung ist – wir haben das Thema ja schon einmal angeschnitten – wie eine Urlaubsplanung.

Nehmen wir folgendes Beispiel: Wenn Sie von Köln aus zum Zelten auf die Poller Wiesen vor den Toren der Stadt, in den naheliegenden kühlen Westerwald oder ins kaum weiter entfernte liebliche Ahrtal reisen, sehen Ihre Reisevorbereitungen und Tascheninhalte anders aus als bei einer Flugreise nach Rom, Paris oder Petersburg. Erst recht anders als zu einer Reise nach Grönland, in die Anden – oder zum Mond.

Aber heisst dies: eine nahe gelegenes Ziel ist grundsätzlich leicht zu erreichen? Nicht unbedingt. Sicher spielen eine Reihe von Faktoren eine Rolle – wie erfahren ist der/die Reisende? Wie organisationsbegabt ist er/sie? Wie motiviert – usw.

Behalten wir den Reisegedanken im Hinterkopf – aber gehen wir noch einmal anders an die Zielsetzung heran.

Machen wir es uns leicht: Stellen Sie sich vor, Sie haben den Vorabend Ihres Lebens erreicht – wenn Sie erst 18 Jahre alt sind, mag dies nicht ganz einfach sein – aber lassen Sie sich einmal auf diese Kreativitätsübung ein. Stellen Sie sich vor: Sie sind 60 – 70 oder 80 Jahre alt: Wie soll Ihr Leben aussehen?

Sie wissen es nicht? Gut. Gehen wir von dem aus, was Sie wissen oder sich leicht erarbeiten können. Beantworten Sie einfach die folgenden Fragen. Und fügen Sie eigene Fragen hinzu.

Fragen – nichts als Fragen

Wollen Sie in dem Land leben, das aktuell Ihr Zuhause ist – oder in einem anderen Land? In welchem? Wie soll das Gebäude aussehen, in dem Sie leben wollen? Ein idyllisches Waldhäuschen? Eine Stadtwohnung – in welcher Stadt? Ein Loft- wo? Eine Villa – in welchem Stil? Ein Schiff – auf einem Fluss oder einem See oder auf dem Meer?

Auf was wollen Sie blicken? Was wollen Sie sehen, wenn Sie aus dem Fenster schauen oder auf Ihrer Terrasse sitzen? An was möchten Sie sich erfreuen? Was möchten Sie riechen? Blumen, Gräser, Wald? Oder Stadtluft? Oder möchten Sie Seeluft atmen?

Vielleicht möchten Sie in mehreren Locations wohnen – welches ist Ihr Lieblingsdomizil?

Wenn Sie durch Ihre Räume gehen: Was möchten Sie in ihnen finden? Bücher? Diplome? Bilder? Masken aus Kenia? Einen Technikpark, um den Sie jedes mittelständische Unternehmen beneiden würde?

Wenn Sie in Ihre privaten Unterlagen blicken: Wer sollte da zu Ihren Freund/innen zählen? Welche Menschen gehören zu Ihrem engsten Kreis? Für wen wollen Sie eine Orientierung sein? Wer soll Ihre persönliche mail-Adresse gespeichert haben? Über welche Anrufe würden Sie sich freuen?

Auf welcher Gästeliste wollen Sie stehen? Wer darf Sie Tag und Nacht anrufen? Für wen wollen Sie der „Geheimtipp“ sein?

Wer ist Ihr Partner – Ihre Partnerin? Wie ist Ihr Verhältnis? Wie zufrieden sind mit Ihrer Partnerschaft?

Wie zufrieden sind Sie mit sich selbst? Mit Ihrer Gesundheit? Mit Ihrer Fitness? Mit dem, was Sie erreicht haben? Mit dem, was Sie noch erreichen wollen?

Wie wollen Sie sich fühlen.

Vor dem Hintergrund dieser Erinnerungen an die Zukunft, werden Sie ein Gefühl dafür entwickeln, was Sie als Haupt-Ziel auf Ihre Agenda setzen. Und, wenn Sie alles aufgeschrieben haben, werden Sie eine Analyse machen und sich Klarheit darüber verschaffen: Was will ich für mich erreicht haben – wenn ich 60 oder 70 oder 80 oder 90 oder 100 Jahre alt bin.

Ich würde mich freuen, wenn Ihre Phantasie beflügelt ist und Sie richtig Lust auf sich und Ihre Ziele haben.

Einen zauberhaften Tag wünsche ich Ihnen!

Herzlichst
Ihre
Lilli Cremer-Altgeld